Ulrich Bücholdt

Wirtschafts-, Bau- und Architekturhistoriker (M.A.)
dwbGWWG

www.archthek.de

Datenbank zur Bau- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für den deutschsprachigen Raum

 


Eduard Lyonel Wehner (1879-1952)


 

Eduard Lyonel Wehner gehörte in den 1920er Jahren zur Riege der bekannteren und gut publizierten Architekten in Düsseldorf. Wie viele andere auch ist er jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten. Besonders prominent waren seine Bauten für die „Gesolei“, die aber – trotz entsprechender Anregungen im Falle des Konditorei-Cafés – nach Ausstellungsende demontiert wurden, ohne dass bislang eine spätere Wiederverwendung nachweisbar ist. Auch die Oberkasseler Brücke, die in ihrem auf Wehner zurückgehenden „modernisierten“ Zustand fast zwei Jahrzehnte ein Wahrzeichen Düsseldorfs war, verschwand 1945 aus dem Stadtbild. Auf den ersten Blick scheint es, als sei von Wehners Œuvre auch sonst nichts übrig geblieben, das über die Jahrzehnte der Erinnerung wert gewesen wäre. Verschiedene jüngere Publikationen (wie z.B. <Busch 1993> oder <Wiener 2001>, vgl. Literatur) gaben sich als Überblicksdarstellungen mit einem geringen Wissen über Wehner notgedrungen zufrieden.

 


Foto: Elnain (Düsseldorf)
aus: <Wehner 1926>

Dipl.-Ing.
Eduard Lyonel Wehner
Architekt in Düsseldorf
geb. 20.02.1879 in Rüdesheim
gest. 1952

Ausbildung:

TH Hannover, TH Darmstadt (bei Friedrich Pützer)

Mitgliedschaften:

Deutscher Werkbund (DWB) (seit mind. 1913),
Bund Deutscher Architekten (BDA) (spätestens 1929),
Architekten- und Ingenieurverein Düsseldorf (im VDAI) (spätestens 1929),
Industrieclub Düsseldorf (spätestens 1932)

 

Vita: ...............Werk...............Literatur & Quellen ...............Kontakt

 

Eduard Lyonel Wehner wurde am 20. Februar 1879 in Rüdesheim geboren. Über seinen familiären Hintergrund sind keine Einzelheiten bekannt, anscheinend besaß er aber später familiäre Beziehungen nach Berlin. Als Stationen seiner schulischen Bildung sind ein „Institut Bender“ in Weilheim (Baden) und das Realgymnasium Mannheim überliefert. Sein Studium begann er offenbar an der TH Hannover und setzte es später an der Technischen Hochschule Darmstadt bei Friedrich Pützer fort.

 

Wehner arbeitete nach Abschluss seines Studiums anscheinend im privaten Atelier von Friedrich Pützer in Darmstadt und seit 1906 selbständig in Düsseldorf. Der aus Aachen gebürtige Pützer lehrte an der Technischen Hochschule Darmstadt seit 1897 als Assistent und seit 1902 als Lehrstuhlinhaber. Das Architekturgeschehen der nördlichen Rheinprovinz ließ er von Darmstadt aus nicht aus dem Auge, jedoch sind vor 1909 neben verschiedenen Wettbewerbsentwürfen keine realisierten Bauvorhaben in dieser Region bekannt. Folglich gibt es auch keine Anhaltspunkte dafür, dass Wehner als Bauleiter von Pützer nach Düsseldorf entsandt worden wäre, wie es ähnlich in Architekten-Lebensläufen häufig vorkommt. Erst neun Jahre später fand beim Bau der Dankeskirche in (Düsseldorf-) Benrath eine solche Zusammenarbeit statt.

 

In den Jahren 1913 bis 1916 nahm Wehner einen Lehrauftrag an der Düsseldorfer Kunstakademie wahr.

 

Mitte der 1920er Jahre fungierte er in Düsseldorf als Stadtverordneter.

 

Spätestens für das Jahr 1932 ist eine Mitgliedschaft Wehners im Düsseldorfer Industrieclub belegbar.

 

Im biographischen Anhang bei <Wiener 2001> heißt es wörtlich:
(Zitat Anfang) „tritt 1933 als reaktionärer Kritiker der Neuen Sachlichkeit auf“ (Zitat Ende),
Belege bzw. Quellen dafür werden bedauerlicherweise nicht genannt.

 

Text: © 2004-2008 by Ulrich Bücholdt

 

zum Seitenanfang

Werk:
(unvollständig)

 

1904/1905: Grabmal Ernst Heinrich Doering in Darmstadt
um 1905 (?): Doppelwohnhaus-Paar in Darmstadt, Roquetteweg 2/4 und Roquetteweg 6 / Hobrechtstraße 1
1905/1906: Grabmal Narjes in (Essen-) Kupferdreh
o.J.: mindestens ein Wohnhaus in Berlin-Nikolassee
o.J.: Wohnbebauung im Bereich der Essener Straße in Düsseldorf-Pempelfort
1909-1910: Wohnhaus für Ludwig Freiherr von Preuschen in Osterspai (Rhein), gen. „Burghaus“
vor 1910: Werkmeister-Wohnhaus der Zementfabrik Narjes & Bender in (Essen-) Kupferdreh
1910: Wohnhaus in Berlin-Nikolassee
vor 1911: Wohnbebauung an der Roßstraße in Düsseldorf-Derendorf
vor 1912: Entwurf eines Modelltheaters
1911/1912: Wettbewerbsentwurf für das Rathaus in Düsseldorf
1911/1912: Wettbewerbsentwurf für das Rathaus in Witten (Ruhr)
1911/1912: Wettbewerbsentwurf für den Sackträger-Brunnen in Witten (Ruhr)
1911/1912: Wettbewerbsentwurf Stadthalle Kassel
1913: Speisezimmer-Einrichtung auf der Großen Kunstausstellung Düsseldorf 1913
1914: Wohnhaus bei Erkrath
1914-1915: Bauleitung beim Bau der Dankeskirche in (Düsseldorf-) Benrath
1914/1915: Entwurf für das „Haus der Frau“ auf der (nicht realisierten) Großen Ausstellung Düsseldorf 1915 „Aus hundert Jahren Kunst und Kultur“
1919-1920: mindestens zwei Gebäude in der Mustersiedlung am Nordfriedhof in Düsseldorf
1920: Umbau eines Wohn- und Geschäftshauses für die Commerz- und Privatbank AG in Düsseldorf
1922: Wettbewerbsentwurf Bankgebäude der Barmer Creditbank in (Wuppertal-) Barmen
1923: Entwurf für ein Kurhotel in Assmannshausen
1923: Wohnhaus Reinhard in Oberhausen
1923: Bürogebäude bzw. Bankgebäude für die Deutsche Raiffeisenbank AG in Düsseldorf
1923: Mehrfamilienhaus für die Th. Goldschmidt AG in Essen
1923: Baumaßnahme unbekannten Umfangs an einem Erholungsheim der Th. Goldschmidt AG
1923: Wohnbebauung an der Ulmenstraße in Düsseldorf-Derendorf
1923: Wohnhaus für Regierungsrat Paxmann in Potsdam
1924: Baumaßnahme unbekannten Umfangs für die Maschinenfabrik Benz & Hilgers in Düsseldorf
1924-1926: Mitwirkung am Umbau der Oberkasseler Brücke in Düsseldorf (Beseitigung der architektonischen Aufbauten der Strompfeiler)
1925: Entwurf für eine evangelischen Kirche in Düsseldorf
1925: Baumaßnahme unbekannten Umfangs für das Konditorei-Café Bierhoff in Düsseldorf (wohl nur Neugestaltung der Interieurs)
1925: Baumaßnahme unbekannten Umfangs für das Automobilgeschäft Konitzky & Co. in Düsseldorf (evt. nur Neugestaltung des Verkaufsraums?)
1925: zwei Entwürfe im Wettbewerb für die Brückenkopf-Bebauung der Deutzer Hängebrücke in Köln
1925: Wettbewerbsentwurf Rathaus Bochum
1926: Konditorei-Café der Düsseldorfer Konditoren-Innung auf der Gesolei
1926: südlicher Hallenkomplex (mit Ladenstraße und Sporthalle) am Festplatz auf der Gesolei
1926: „Vasenol-Kinderheim“ auf der Gesolei
1926: Literaturkiosk der Buchhandlung Hermann Stilke auf der Gesolei
1926: „Haus des Malers“ auf der Gesolei
1926: Entwurf eines Pavillons für die Sektkellerei Matheus Müller (Eltville)
1926: Entwurf für den Bahnhofsvorplatz in Duisburg (Empfangsgebäude und umgebende Bebauung)
1928-1929: Betriebshof der Rheinbahn AG in Düsseldorf-Heerdt
1928-1932: Gestaltung der Hochbauten von sechs Schleusenanlagen am Wesel-Datteln-Kanal (Lippe-Seitenkanal) (Friedrichsfeld, Hünxe, Dorsten, Flaesheim, Ahsen, Datteln)

 


Wohnhaus Paxmann in Potsdam, 1923


Autohaus Konitzky in Düsseldorf, 1924


Sporthalle der Gesolei in Düsseldorf, 1926


Haus des Malers auf der Gesolei in Düsseldorf, 1926

Abbildungen als Bildzitate aus <Wehner 1926>

 


Oberkasseler Brücke, erbaut 1896-1898,
mit „Architektur-Zier“ von Prof. Adolf Schill


Oberkasseler Brücke, nach dem Umbau 1925/1926
(Blick vom Belvedere des Regierungspräsidiums)


Oberkasseler Brücke, kurz nach dem Umbau 1925/1926
Deutlich sind die alten Straßenbahn-Gleise im Bereich der
Fahrbahn und die neue, beiderseits angefügte Trasse zu erkennen.

 


Konditorei-Café der Düsseldorfer Konditoren-Innung auf der Gesolei 1926
Eingangsbereich

 

Abbildungen als Bildzitate nach zeitgenössischen Ansichtskarten (Slg. Bücholdt)

 

zum Seitenanfang

Literatur:
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

 

E. L. Wehner (?):
Monumentale Volkskunst.
in:
Kölnische Zeitung (1916) (ohne genauere Angaben über Ausgabe und Datum)

 

E. L. Wehner (?):
Baukunst und Ingenieurästhetik.
in:
Der Eisenbau 1919 (ohne genauere Angaben über Ausgabe und Datum)

 

<Wehner 1926>
Eduard Lyonel Wehner (Hrsg.), Walter Cohen (als Verfasser des Vorworts):
Eduard Lyonel Wehner. Seine Bauten auf der Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen und andere Arbeiten.
Düsseldorf, 1926.

 

Rheinische Bahngesellschaft Düsseldorf (Hrsg.):
Umbau der Rheinbrücke Düsseldorf 1925/26.
Düsseldorf, 20. April 1926. [Festschrift zur Einweihung]

 

Dr. F. R.: „-“ (Titel / Überschrift unbekannt)
in:
Kölnische Volkszeitung, Nr. 822 (06.11.1926) (ohne weitere Angaben) (Rezension über <Wehner 1926>)

 

O. Sch. (vermutlich: Otto Schulze): „-“ (Titel / Überschrift unbekannt)
in:
Täglicher Anzeiger (Elberfeld) (13.12.1926) (ohne weitere Angaben) (Rezension über <Wehner 1926>)

 

o. V. (?):
Arbeiten von Lyonel Wehner.
in:
Wasmuths Monatshefte für Baukunst 11.1927, H. 2, S. 75-77.

 

A. F. Heine: „-“ (Titel / Überschrift unbekannt)
in:
Hannoverscher Kurier (04.03.1927) (ohne weitere Angaben) (Rezension über <Wehner 1926>)

 

Leo Sternberg: „-“ (Titel / Überschrift unbekannt)
in:
Literaturblatt der Frankfurter Zeitung (13.03.1927) (ohne weitere Angaben) (Rezension über <Wehner 1926>)

 

The Architect & Building News (18.03.1927) (ohne weitere Angaben)

 

Otto Schulze:
Neuere Bauten des Arch. Dipl.-Ing. Ed. Lyonel Wehner, Düsseldorf.
in:
Deutsche Bauzeitung 61.1927, Nr. 30 (13.04.1927), S. 257-263.

 

Bohny: „-“ (Titel / Überschrift unbekannt)
in:
Der Bauingenieur 8.1927, H. 5

 

o. V.:
Neuere Arbeiten des Architekten Dipl.-Ing. Lyonel Wehner in Düsseldorf.
in:
Deutsche Bauzeitung 64.1930, Nr. 55/56 (09.07.1930), S. 421-430.

 

Eduard Lyonel Wehner:
Betriebsgebäude und Angestelltenwohnhaus der Rheinischen Bahngesellschaft, Düsseldorf.
in:
Deutsche Bauhütte 35.1931, Nr. 1 (?), S. 5.

 

<Busch 1993>
Wilhelm Busch:
Bauten der 20er Jahre an Rhein und Ruhr. Architektur als Ausdrucksmittel.
Köln: Bachem, 1993.

 

<Wiener 2001>
Jürgen Wiener (Hrsg.):
Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre.
Köln: Bachem, 2001.
(Wehner ist mit knapp gehaltenen Angaben im biografischen Anhang vertreten, einige Bauten werden in den Textbeiträgen behandelt.)

 

Markus Fritz [Markus Fritz von Preuschen]:
Eduard Lyonel Wehner 1879-1952. Architekturthemen der Reform- und Heimatschutzbewegung im Raum Düsseldorf.
Worms: Werner’sche Verlagsgesellschaft, 2005.
ISBN 3-88462-223-4

 

 

Für ergänzende Informationen danke ich:
- Herrn Rüdiger Jordan,
- Herrn Dr. Christoph Heuter.

 

 

empfohlene Zitierweise:
Ulrich Bücholdt: Eduard Lyonel Wehner (1879-1952).
online: http://www.kmkbuecholdt.de/historisches/personen/Wehner1.htm (Stand vom 18.11.2015)

 

Kontakt:
Ihre Ergänzungen, Berichtigungen, Hinweise oder Fragen zu Person und Werk von Eduard Lyonel Wehner mailen Sie bitte an: ub@kmkbuecholdt.de

 

zurück zum Anfang dieser Seite
zurück zur Übersicht
Impressum

___________________________________________________________________________________________
diese Seite online seit dem 02.11.2004, letzte Aktualisierung am 18.11.2015