Ulrich Bücholdt

Wirtschafts-, Bau- und Architekturhistoriker (M.A.)
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www.archthek.de

Datenbank zur Bau- und Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts für den deutschsprachigen Raum

 


Hans Lohmann
Ein Fotograf des 20. Jahrhunderts


 

Lohmann ist durch die Ausstellungen seines Lebenswerkes zu (sehr spätem) Ruhm gekommen. Alle wichtigen Strömungen der künstlerischen Fotografie des 20. Jahrhunderts haben ihren Niederschlag in seinem Schaffen gefunden, das so einer Überblicksdarstellung zur Fotografiegeschichte nahekommt.
Nachlassverwalter Lohmanns ist Prof. Frank M. Göldner, Mannheim.

 

Hans Lohmann
geb. 1904 in Berlin

Ausbildung:
Studium der Chemie an der Universität Berlin, Besuch der Fotografieklasse am Bauhaus Dessau

 

Vita: ............... Ausstellungen, Literatur & Quellen...............Kontakt

 

Hans Lohmann wird 1904 in Berlin als Sohn eines Kriminalbeamten geboren. Der Vater ist begeisterter Amateurfotograf, ebenso der Onkel, ein wohlhabender Drogerie-Kaufmann in Hamburg. Lohmann interessiert sich früh für die Fotografie, insbesondere für die chemischen Prozesse in der Dunkelkammer, und wird von beiden darin gefördert. Der Vater ist zudem Mitglied der "Berliner Vereinigung zur Pflege der Liebhaberphotographie", er besucht des öfteren Fotoausstellungen mit dem Sohn. 1920 nimmt der Onkel den Neffen mit auf eine Geschäftsreise nach Italien und leiht ihm aus seinem Bestand eine alte 30 x 40 cm Reisekamera, die ersten Kallitypien entstehen.

 

1923 macht Lohmann das Abitur. Anschließend beginnt er auf Drängen des Vaters und wegen seines Interesses an Experimenten das Chemiestudium in Berlin. Das Studium entspricht offenbar nicht seinen Vorstellungen und er betreibt es nach späterem Bekunden nur halbherzig. Stattdessen besucht er Ausstellungen und nutzt den neugewonnenen Zugang zu diversen Chemikalien für fotografische Versuche. 1928 schließt Lohmann das Studium ab. Im folgenden Jahr fährt er zur Werkbundausstellung "Film und Foto" nach Stuttgart. Er ist beeindruckt von den abstrakten Arbeiten, zum Beispiel von Laszlo Moholy-Nagy, und fertigt im Anschluss eigene Fotogramme an. In Stuttgart lernt er auch Paul Ränkeschmied kennen, der zu dieser Zeit am Bauhaus in Dessau studiert. Die beiden werden Freunde und Hans Lohmann besucht Ränkeschmied einige Male in Dessau, er entschließt sich, am Bauhaus ein zweites Studium zu beginnen.

 

1930 geht Lohmann nach Dessau, er ist besonders in der Fotoklasse von Walter Peterhans aktiv. Im Studio beschäftigt er sich verstärkt mit Sachaufnahmen, es entstehen die ersten "Zitronenbilder". Mit der Schließung des Bauhauses in Dessau kommt er zurück nach Berlin.

 

Nach der Machtübernahme durch die Natlionallsolzialilsten emigriert Lohmann nach Paris. Da er zunächst fast kein Französisch spricht, ist das Leben in der ersten Zeit sehr schwierig. Einige ebenfalls ausgewanderte Freunde unterstützen ihn, und der Onkel schickt ihm ab und zu etwas Geld. Mit der Zeit erweitert sich sein Bekanntenkreis und er beginnt, in Paris heimisch zu werden.

 

Nach dem Vorrücken deutscher Truppen auf Paris beschließt Hans Lohmann 1940, abermals zu emigrieren. Amerikaner, die er in Paris kennengelernt hat, ermöglichen ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten. Er arbeitet dort als Tellerwäscher, Kellner, Mechaniker und später als Vertreter für Landmaschinen. Dabei durchreist er den Kontinent, bis er schließlich in San Francisco einen Chemikalienhandel übernehmen kann. Zu seinen Kunden zählt in diesen jahren auch der Fotograf Ansel Adams, den er auf eine Reise in die kalifornischen Wüste begleitet.

 

1957 reist Hans Lohmann nach dem Tod seines Vaters zum ersten Mal seit seinem Fortgang wieder nach Europa. Im Nachlass findet er zahlreiche seiner frühen Fotografien, welche er damals zurückgelassen hatte und die sein Vater über den Krieg rettete. Er nimmt Kontakt zu alten Freunden auf und fährt noch einmal nach Italien.

 

Lohmann beschließt 1971, sich in Europa zur Ruhe zu setzen und verkauft seinen Chemikalienhandel. Er erwirbt ein kleines Landhaus in der Nähe von Meaux. Seinen Ruhestand nutzt er, um einige schon seit längerem geplante fotografische Projekte zu realisieren. Es entstehen die "Geisterbilder", die "Viktualienserie" und das Jugendprojekt. Daneben fotografiert er auch zeitgeschichtliche Ereignisse, so z.B. den Besuch Gorbatschows in Bonn. 1989 dokumentiert Lohmann den Fall der Mauer in Berlin.

 

1994 übergibt Lohmann seinen künstlerischen Nachlass an den Fotografen Frank M. Göldner, den er spätestens seit dem Jugendprojekt kennt. Vor der neuen, ungewohnten Popularität in Folge der Ausstellungen seiner Aufnahmen flüchtet Lohmann in eine selbstgewählte Isolation – vermutlich auch wegen zunehmender Gebrechlichkeit. Er verheimlicht seinen neuen Wohnsitz und will ganz bewußt für niemand mehr erreichbar sein. In den folgenden Monaten meldet er sich seinerseits noch einige Male bei Göldner, dann läßt er den Kontakt völlig abreißen.

 

Im Juni 2010 meldet sich ein pensionierter Polizist aus Pau (Frankreich) per e-Mail mit der Äußerung, Lohmann sei dort im Frühjahr 2002 an idiopathischer maligner pampiniformer Pachygyrie (IMPP) – vermutlich als Spätfolge einer chronischen Silbergelatine-Vergiftung – verstorben. Eine amtliche Bestätigung für diese Angabe liegt jedoch wegen der französischen Datenschutz-Bestimmungen bislang nicht vor.

 

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Ausstellungen in Nordrhein-Westfalen:

 

Hans Lohmann – Mein Lebenswerk.
Stadtmuseum Münster, Friedrich-Hundt-Studio, 28.01. bis 23.03.1996.
(Friedrich-Hundt-Gesellschaft e.V. / Kulturamt der Stadt Münster)

 

 

empfohlene Zitierweise:
Ulrich Bücholdt: Hans Lohmann. Ein Fotograf des 20. Jahrhunderts.
online: http://www.kmkbuecholdt.de/historisches/personen/Lohmann1.htm (Stand vom 27.08.2014)

 

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Kontakt:
Ihre Ergänzungen, Berichtigungen, Hinweise oder Fragen zu Person und Werk von Hans Lohmann mailen Sie bitte an: ub@kmkbuecholdt.de

 

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letzte Aktualisierung dieser Seite am 27.08.2014