Thema
dieser Seite sind originelle bzw. unsinnige Stilbegriffe, Fundstücke aus
Fachliteratur u.a.
Ulrich Bücholdt
Bau- und Architekturhistoriker (magister artium)
Interessenschwerpunkte:
Baugeschichte / Architekturgeschichte /
Wirtschaftsgeschichte / Technikgeschichte
originelle
Stilbegriffe
vom Mut(willen), Lücken in der Schubladen-Landschaft zu füllen
Begriffe:
a.
retrospektive Prägungen
preußischer Spätjugendstil
Komponiert von einem nicht namentlichen genannten Mitautor des 1986
erschienenen BDA-Architekturführers für den Kreis Recklinghausen.
Gemeint war das Wohn- und Geschäftshaus Hahne in Gladbeck, dessen von Emil
Fahrenkamp 1913 gestaltete Fassade sehr viel mit Neoklassizismus, jedoch sehr wenig
mit Jugendstil zu tun hat. Immerhin: Tatsächlich haben das Rheinland und auch
Westfalen damals zu Preußen gehört!
norddeutscher Jugendstil
Geprägt 1996 durch eine Dienstleisterin im Bereich „Marketing
Communications“. Ihre Auftraggeberin war die DEBEKO Immobilien GmbH,
deren Geschäftsleitung vermutlich ähnlich architekturgeschichtskundig ist.
Gemeint war das „um das Jahr 1914“ errichtete Bankgebäude Am Markt
16/18 in Wismar, in dessen Fassade der (Neo-) Klassizismus fröhliche Urstände
feiert.
Düsseldorfer Rundbogenstil
Erfunden vor ein paar Jahren durch einen Nachwuchs-Kunsthistoriker, der es für
nötig hielt, in seiner Magisterarbeit zur eingeschränkten Freude seiner
Gutachter einen völlig neuen Stilbegriff als exklusives Forschungsergebnis zu
präsentieren.
Gemeint war ein im Zweiten Weltkrieg zerstörtes Gebäude, das Ende der 1920er
Jahre von Emil Fahrenkamp entworfen wurde – und
typische Merkmale dessen trug, was manche berufenere Autoren mit dem Mut der
Verzweifelung als „Düsseldorfer Schule“ umschreiben.
pathetische Sachlichkeit
Mit dieser Formulierung beschreibt die Deutsche
Denkmaltopographie Hannover, Band 2, die Fabrikbauten der Hannoverschen
Waggonfabrik AG (HAWA) von Peter Behrens und der Hanomag von Alfred
Sasse, alle während des Ersten Weltkriegs entstanden.
vertikal gegliederter Bauhausstil aus roten Klinkern
So kategorisierte man 1983 in der DDR den Erweiterungsbau der Preußischen
Staatsbank in Berlin-Mitte, Taubenstraße, aus dem Jahr 1926.
(wird fortgesetzt)
b.
zeitgenössische Prägungen
Gefachstil / Rahmenstil
Den Ausdruck „Gefachstil“ benutzte der Architekt Heuser in seinem
Vortrag auf der Versammlung des VDAI am 17.11.1913 in Köln. In der
anschließenden Aussprache ergänzte Carl Moritz den Begriff „Rahmenstil“.
(wird fortgesetzt)
Kontakt:
Ihre Fragen, Hinweise und Anregungen zum Thema mailen Sie bitte an: ub@kmkbuecholdt.de
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Aktualisierung dieser Seite am 18.06.2008