Ulrich Bücholdt

Bau- und Architekturhistoriker (magister artium)
Interessenschwerpunkte: Baugeschichte / Architekturgeschichte / Wirtschaftsgeschichte / Technikgeschichte


Klaus Köpcke
Mehr als nur ein findiger Ingenieur


Welchem Ingenieur ist es schon vergönnt, ein Bauwerk zu konstruieren, das Eingang in den Schatz der populärsten Sprichworte und Redewendungen deutscher Sprache findet?
Die hier zusammengetragenen rudimentären Angaben sind ein Nebenergebnis anderweitiger Recherchen und sollen nur einen ersten Überblick verschaffen. Auf die viel ausführlicheren Darstellungen anderer Bearbeiter sei deshalb ausdrücklich verwiesen!

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Klaus Köpcke (o.J.)
aus: Zentralblatt der Bauverwaltung 31.1911

Klaus Köpcke alternative Schreibweise: Claus Köpcke
Prof., Dr.-Ing. E.h., Wirklicher Geheimer Rat, Exzellenz

Ingenieur für Eisenbahn- und Brückenbau
geb. 28.10.1831 in Borstel (Hann.),
gest. 21.11.1911 in Dresden

Ausbildung:
1848-1853 Polytechnische Schule Hannover

Vita: ...............Werk...............Literatur & Quellen ...............Kontakt

Klaus Köpcke wurde 1831 in Borstel im damaligen Königreich Hannover geboren.
(Der Ortsname läßt sich nicht eindeutig zuordnen, auf dem (ehem.) hannoverschen Territorium gibt es mehrere Ortschaften mit diesem Namen.)
Nach dem Studium an der Polytechnischen Schule Hannover (und dem 1. Staatsexamen) arbeitete er zunächst im damals hannoverschen Harburg an der Elbe (i.e. Hamburg-Harburg), hauptsächlich an Hafen- bzw. Speicherbauten. Nach dem 2. Staatsexamen fand er Beschäftigung in Geestemünde beim Bau des Hafens und der Hafenbahn. 1863 wechselte er zur Generaldirektion der Königlich Hannoverschen Staatsbahnen, zunächst als "Hilfsarbeiter" (zeitgenössische Dienstbezeichnung) und seit 1865 als Bauinspektor. 1868 kam er im Range eines Regierungsrates zum Technischen Büro des Preußischen Handelsministeriums. Nach nur etwa sechs Monaten in Berlin wurde er als Professor für Wasser-, Straßen- und Eisenbahnbau an die Technische Hochschule Dresden berufen. 1872 wechselte Köpcke erneut seinen Arbeitsplatz, allerdings zum letzten Male: Für rund drei Jahrzehnte arbeitete er im Range eines "Geheimen Finanzrates" als Vortragender Rat im Sächsischen Finanzministerium, wo er maßgebenden Einfluß auf die Entwicklung des sächsischen Eisenbahnwesens ausüben konnte.

Technische Entwicklungen:
Köpcke empfahl als erster die Verwendung von Wälzgelenken ("Gelenkquadern") bei steinernen Brücken. Ebenso setzte er sich für die Konstruktion von Federgelenken bei eisernen Brücken ein. Seine Untersuchungen über die Schwingungserscheinungen bei Brückenträgern führten ihn zu praktischen Vorschlägen für sog. "Brückenbremsen". Ähnliches erarbeitete er für Glockenstühle.
Auf dem Gebiet des Eisenbahnbaus gab er wichtige Impulse für den Ausbau der sächsischen Schmalspurbahnen durch seine Empfehlungen zu vereinfachten Bauarten und Betriebsregeln, außerdem führte er die Benutzung von Gefällegleisen im Verschiebebetrieb ein. Er erhielt ein Patent auf die Anlage von Sandgleisen zur Bremsung von Zügen und arbeitete über die zwangsläufige Führung von Eisenbahnfahrzeugen im Gleis. Seine universellen Interessen brachten ihn auch zu Überlegungen für Schutzvorrichtungen beim Theaterbau und zur zweckmäßigen Höhe von Straßenlaternen.

Auszeichnungen und Ehrentitel:
1893: Geheimer Rat
1901: Dr.-Ing. E.h. der Technischen Hochschule Hannover
28.10.1911: Wirklicher Geheimer Rat, "Exzellenz"
 

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Werk:

a) Gebautes

Neubau der Straßen- und Eisenbahn-Elbbrücke Riesa,
drei Parabel-Fachwerkträger aus Schweißeisen, größte Konstruktionshöhe 42,64 m, größte lichte Weite 97,40 m,
Pfeiler aus Stampfbeton und mit Sandstein verkleidet,
errichtet 1876-1878

Eisenbahnbrücke über das Oschütztal bei Weida (Sa.)
parallelgurtige Eisenfachwerkträger, z.T. auf Pendelstützen gelagert
fertiggestellt 1883

Markersbacher Viadukt bei Mittweida (Erzgeb.)
Gerüstpfeiler-Brücke in Eisenfachwerk
errichtet 1888-1889

in Zusammenarbeit mit Hans Manfred Krüger
"König-Albert-Brücke", nach 1918: "Loschwitzer Brücke", im Volksmund: "Blaues Wunder"
Straßenbrücke über die Elbe in Dresden-Blasewitz bzw. -Loschwitz
konstruktiv ausgebildet als Auslegerbrücke in Eisenfachwerk

Köpcke selbst bezeichnete seinen Entwurf - eigentlich falsch - als "steife Hängebrücke",
tatsächlich haben die Auslegerträger eine Form, die eher an moderne Hängebrücken bzw. Schrägseilbrücken erinnert.

nach langjähriger Vorplanung errichtet 1891-1893 (eröffnet am 15.07.1893)

in Zusammenarbeit mit Hans Manfred Krüger
Eisenbahn-Elbbrücke (auch gen. "Eisenbahn-Marienbrücke"),
mehrgleisige Eisenbahnbrücke über die Elbe in Dresden,
konstruktiv ausgebildet als Balkenbrücke mit künstlicher Gurtspannung (?) bzw. Fachwerkbogenbrücke,
größte Spannweite 66,50 m,
errichtet 1896-1901

 

b) Geschriebenes

Konstruktion einer steifen Hängebrücke.
in:
?, 1860 / 1861

Über den Bau eiserner Brücken.
in:
?, 1864

Über Hängebrücken mit drei Gelenken.
in:
Zeitschrift des Architekten- und Ingenieurvereins Hannover 1888,

Die Brückenbremse.
in:
Deutsche Bauzeitung 29.1895, Nr. 50 (22.06.1895), S. 311ff.

(wird vervollständigt)
 

Text: © 2003-2010 by Ulrich Bücholdt
 

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Literatur:

Zentralblatt der Bauverwaltung 21.1901, Nr. 87 (vom 02.11.1901), S. 536
(Notiz zum 70. Geburtstag)

"-a-":
Klaus Köpcke †. [Nachruf]
in:
Zentralblatt der Bauverwaltung 31.1911, Nr. 99 (vom 09.12.1911), S. 630/631

Stiglat, Klaus:
Brücken am Weg.
Berlin: Ernst & Sohn, 1997.

Hoff, Robert:
Meisterbauwerke der Ingenieurbaukunst.
Köln: Bundesanzeiger Verlag, 1998.

Conrad, Dietrich / Haufe, Fritz:
Theoretiker und Mann der Tat. Claus Köpcke – ein hervorragender Bauingenieur in Sachsen.
in:
Die Union (26.10.1991)

Kirste, Wolfgang / Zimmermann, Rolf:
Hundert Jahre Sächsische Bauindustrie.
Dresden: Sächsischer Bauindustrieverband, 1998.

Conrad, Dietrich:
Claus Köpcke. Bauingenieur und Bauwissenschaftler.
Dresden: Sandstein Verlag, 2010.
ISBN 978-3-942422-04-8

 

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